Aus dem geheimen Tagebuch:

7.-8.5. Berlin, Forst

15.06.2010 19:29 von Johanna von der Vögelweide

Von der Provinz in die Hauptstadt in die Provinz

Das Leben des geilen Haufens ist in letzter Zeit ausgesprochen ereignisreich. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Tour mit Saltatio Mortis waren wir ja schon seit April alleine in diversen Clubs unterwegs. Bisher hatte das ganz gut funktioniert, aber man weiß ja nie... An diesem Freitag machten wir uns also mal wieder voller Erwartung auf den Weg vom beschaulichen Frankenlande in die große weite Hauptstadt Berlin. Aufgrund einiger terminlicher Verpflichtungen meinerseits - am Morgen hatten einige Musikprofessoren noch meinen Rat in der Analyse einer Bach Fuge beansprucht - waren wir unglaublich spät dran. Sehr unvorbildlich wenn man das erste Mal als Hauptband in so eine wichtige Stadt fährt. Natürlich gerieten wir auch noch voll in den berliner Berufsverkehr... Unser Marketender Michl ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken und quetschte unsere überlange Tourkutsche in jede noch so kleine Verkehrslücke hinein. Im Maschinenhaus angekommen mussten wir dann die fehlende Zeit mit unglaublich schnellem Ausladen und Aufbauen wieder aufholen. Erst dann genehmigten wir uns zur Entspannung das erste Bierchen des Tages. Und beobachteten, wie die schwarz gewandete Schlange vor dem Einlass Stück für Stück länger wurde... Als wir einige Zeit später die Bühne enterten, war der Saal tatsächlich schon gut gefüllt und die Anwesende Menge auch ordentlich in Feierlaune. Somit ließen wir uns nicht lange bitten und heizten durch unsere Show und das Volk, text- und sangessicher, mit uns. Hernach war noch genug Zeit für Gespräche und Autogramme, und als das Bier alle war, sorgten noch sehr umsichtige Fans für einen Nachschubkasten. Haufen glücklich - wir kommen wieder!

Irgendwann trennten sich dann unsere Wege - der Prinz, Lanzeflott und der Hauptmann inspizierten noch die lokalen Diskotheken, natürlich nur um sich wieder mal Inspiration für den kommenden Silberling zu holen. Der Rest verzog sich ins Hotel, um noch einen Absacker zu trinken, während der Knappe, der irgendeine ganz fiese Grippe mit sich rumschleppte, schon schlafen gegangen war. Am Ende stellte sich raus, dass beide Fraktionen tatsächlich gleich spät, bzw. früh im Bett gewesen waren. Nur der Knappe hatte wirklich geschlafen, trotzdem prustete er immer noch munter dass die Bazillen nur so flogen. Ich war müde und ließ mir den Miezen-Frühstücksservice ans Bett kommen - kann ich nur empfehlen!

Am nächsten Tag hatten wir nicht allzu weit zu fahren und nutzten noch etwas die Zeit in Berlin. Zum Glück musste man für die kulturelle Erleuchtung nicht allzu weit laufen, lag unser Hotel doch direkt an der East Side Gallery, die wir artig im Vorbeifahren bewunderten. Als nächstes besuchten wir El Producente Trosi in seinem kleinen Studio. Der Hauptmann hatte früh um 7 eine neue Liedidee entwickelt, die er natürlich gleich begeistert vortrug. Extra für den Hauptmann gabs auch berliner Bier im Kühlschrank. Wir lümmelten uns in die bequemen Ledersessel und besprachen völlig professionell mit nur ganz wenig Restalkohol die aktuellen Fortschritte unseres neuen Liedgutes. Ja liebe Leute, da kommt einiges auf euch zu! 

Irgenwann hatten Prinz und Lanzeflott Hunger, sodass wir einen längeren Stop an einer Fastfoodstraße einlegten. Während sich der Großteil der Reisegruppe mit einem einzigen Döner begnügte, probierten sich die beiden gleich durch alle Läden in 100m Umkreis. Trotzdem schafften wir es, irgendwann den Weg nach Forst einzuschlagen.

Dort erwartete uns das volle Kontrastprogramm. Grüne Wälder, unendlich weite Wiesen. Schönste Brandenburger Wildnis. Dort ist nichts in der Nähe außer Polen, das wir zum Tanken auch einmal kurz besuchten.

Schließlich erreichten wir den Club Manitu, der sich als original Westernsaloon entpuppte. Wir wilden Rittersleute haben ja in unserem Leben schon einiges gesehen, aber das überraschte uns dann doch. Jedenfalls wurden wir sehr herzlich empfangen, man hatte sogar an die obligatorische Havanna Flasche gedacht und extra den Backstage Raum mit riesigen Aktbildern behängt! Während die Miezen den Hauptmann mit Weintrauben fütterten, ging der Prinz draußen seinem Sportprogramm nach - Platz hatte er ja endlich genug. Schließlich machten wir uns bereit für die Bühne. Und obwohl wirklich nicht viel in der Nähe von Forst ist, hatten doch tatsächlich einige Leute den Weg zu uns gefunden. Die urige Stimmung und das Weintraubenfüttern hatten den Hauptmann in eine ziemlich wahnsinnige Stimmung versetzt, sodass der Abend noch recht lustig wurde, sogar wir Haufenmitglieder konnten teilweise kaum spielen vor Lachen über die abgefahrenen Ansagen. Wir planen eine Wiederholung im nächsten Jahr, und ich kann nur sagen, der weite Weg lohnt sich, wenn ihr mal ein wirklich abgefahrenes Mittelalterkonzert in abgefahrener Atmosphäre erleben wollt!

Über Nacht hatte man uns in eine sehr idyllische kleine Pension einquartiert, wo wir schließlich in trauter Runde die wohlverdiente Havanna Flasche kreisen ließen.

Am nächsten Morgen machten wir uns gut erholt auf den Heimweg. Was für ein Wochenende...

Bis zum nächsten Mal!

 

Eure Johanna von der Vögelweide

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